Sacharow-Preis für Malala
In ihrer Dankesrede forderte Malala, die weiterhin Todesdrohungen erhält, dass Kinder auf der ganzen Welt zur Schule gehen und lernen dürfen. 125 Millionen haben keinen Zugang zur Bildung, drei Viertel davon sind Mädchen. „Sie haben nichts zu essen und kein Wasser zu trinken. Aber sie haben auch Hunger auf Bildung“, sagte sie. „Sie wollen kein iPhone, keine X-box, Playstation oder Schokolade – sie wollen nur ein Buch und einen Stift“.
Der mit 50.000 Euro dotierte Sacharaov-Preis wurde in diesem Jahr zum 25. Mal verliehen, Malala ist die bisher jüngste Preisträgerin. Die 16-Jährige ist schon längst eine Legende: Ein Mädchen, das den Taliban trotzt und ihren Mordversuch überlebt hat. Ein Mädchen, das vor der UNO an die Mädchen der Welt appelliert und mit Obama über Pakistan diskutiert. Dass sie auch ein Mädchen ist, das für Justin Bieber schwärmt und ein rosa Handy hat, ist im ihrer Autobiografie mit dem selbstbewussten Titel „Ich bin Malala“ (Droemer) zu erfahren.
Und auch, warum der Vater, der die Rede seiner Tochter voller Stolz und sichtlich gerührt verfolgte, so sensibilisiert ist für Unrecht. Er war als Kind ein Stotterer und wurde von seinem Vater dafür verachtet. Malalas Vater hat es gewagt, im Swattal eine Schule auch für Mädchen zu gründen, auf die auch seine Tochter ging. Der Freund, der die Schule mit ihm zusammen leitete, ist tot, abgeknallt von den Taliban. Die Yousafzais, Malalas Familie, leben heute in England, wo die beinahe tödlich Getroffene auch operiert und gerettet wurde. Seit März geht Malala in Birmingham wieder zur Schule, mit ihrer Stiftung „Malala Education“ unterstützt sie innovative Bildungsprojekte auf der ganzen Welt.
Was hatte der Vater seiner Tochter noch versprochen? „Du kannst frei sein wie ein Vogel.“ Er hat sein Wort gehalten.
Malala Yousafzai (mit Christina Lamb): Ich bin Malala (Droemer, 19.99 €)